Ist wirklich “Armut” das Problem?

By enochlown

Der Armut den Kampf nicht nur anzusagen, sondern sich auch darauf einzulassen, bedeutet, bedingt und erzwingt gar unausweichlich die Schultern zuckend vorsätzliche Zerstörung und Vernichtung von Leben und im Werden begriffener Lebensformen und friedlicher Entwicklung von Kultur.

Nicht die Armut ist das grosse Problem, sondern der Reichtum!

– Wirklich ??? -

Die Wirklichkeit ist regenbogenfarbig, nicht schwarz-weiss – und sie tickt und dauert ganz anders, als die Eindrücke, die sie auf Einzelne, Gruppen und Kollektive macht und als die Bilder, die sich Einzelne, Gruppen und Kollektive unter diesen auf sie wirkenden Eindrücken machen.
Sie tickt und dauert vor allem anders, als die Bilder, die – vor allem von monotheistischen und kryptokreationistischen Postulaten geprägt – von “Gerechtigkeit” als durch Schuldzuweisung und Bestrafung sanktionierbare “Ordnung” in den Köpfen von Musterschülern dem Ende ihrer Halbwertzeit entgegenticken. Dennoch fallen Wiederholungen typischer Interessenbildung und -gruppierung auf, die aufmerksamerer Beobachtung und Erörterung bedürftig und würdig scheinen.

Im Folgenden wird der Gruppe der Schwierigkeiten verursachenden Reichen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

N.B.! : es gibt auch die Gruppe der gebildeten und Ihrer Verantwortung bewussten Reichen, die sich redlich und halt bei allem Reichtum mit nicht besserem Erfolg als ganz gewöhnliche Menschen bemühen, anständige und freundliche Menschen zu sein! Hier wird nicht zur Hetzjagd auf Kapitalisten geblasen!

- Eigentlich ist es nicht der Reichtum, sondern die Unfähigkeit der Reichen, Armut als Tatsache und offensichtlichen Regelfall zu ertragen und daraus die sich folgerichtig ergebenden Konsequenzen für ihre höchst persönliche Einstellung gegenüber der Armut als generelle Lebensbedingung und gegenüber den Armen als Menschen und als die grösste Gruppe von Menschen auf der Welt zu ziehen und diesen als ihnen, den Reichen, gleich – evt. sog. besser – Berechtigten zu begegnen.
In ihrer Ratlosigkeit gegenüber dem Phänomen des Reichtums und gegenüber ihrem persönlichen Reichtum werden sie augerechtnet von eigentlicher Hetzpropaganda selber machthungriger “linker”, sich jedenfalls als “Sozialisten” oder gar “Kommunisten” ausgebender Gruppierungen zwar nicht unterstützt aber bestärkt. Auch diese können sich mit der Armut als Normalfall nicht abfinden und basteln daraus ihre Strickleitern zu auserwählten und machtvollen Positionen.

Ihre soziale Inkompetenz, den Menschen als je einzelnes Wesen zu achten und ernst zu nehmen, kompensieren die – wenn auch gediegen und höflich daher kommenden – im Charakter aber (oft nicht von ihnen selbst verschuldet) dürftig erzogenen und schwach gebildeten Reichen mit fast keiner menschlichen und existentiellen Erfahrung – alles was sie ja getan und worin sie sich vornehmllich wenn auch nicht vornehm – ertüchtigt haben, war ja, Geld zu eigenen Gunsten zu verschieben und umzugruppieren – mit einem von willfährigen Juristen, Ökonomen, Ethikern, Moralisten, Klerikern, Psychologen, Organisations- und Logistikexperten und andern Systemtheoretikern für sie errichteten Wall abstrakter Rechtfertigungen ihrer ihnen gefälligen Weltschau. Diese Weltschau bringt sie mit scheinbarer Folgerichtigkeit dahin und ermöglicht es ihnen, im Zusammenhang mit Armut von “Menschenmassen” zu reden, die schliesslich bei anhaltendem Weltbevölkerungswachstum immer schwieriger zu bewältigen und zu bändigen seien, und daraus zu folgern, dass für die Welt (nicht für das Mensch Sein) notwendig und richtig, was für sie bzw. für den von ihnen definierten Reichtum nützlich sei. Die Rede ist dann bezeichnenderweise von einer “neuen Weltordnung”, nicht von einer neuen Ordnung für eine friedliche Menschheit. Diese wird als “nirgendwo” stattfindend und verwirklichbar (Utopie) entwertet, jene als nur unter logistisch perfekt organisiertem und angesetztem Zwang gegen die dem Menschen angeborene Unvernunft möglich behauptet, was gleichzeitig alles, was sich diesem Zwang widersetzt, als Unvernunft klassifiziert, die keinerlei Rücksichtnahme würdig und wert sei. Gerade diese Art von künftiger “Weltordnung” hat für den überwiegenden Teil der Menscheit wenig Gutes und Willkommenes zu verheissen und der Ort, wo solches geschähe oder geschehen dürfte und könnte kann im Urteil solcher Ordnung voraussichtlich Unterworfener nur als unwirtlich, menschen- und lebensbedrohend gewertet werden (Dystopie).

Diese ungenügend gebildeten Reichen kaufen das Wissen und Vorrechte an der Evolution und der Zukunft der Menschheit für sich. Sie reden von Bekämpfung der Armut und betreiben systematische Verdrängung, Verelendung und Dezimierung der sich mit Wenigem und dem diesen bei Rücksichtnahme auf die andern Möglichen begnügenden Menschen.

Die Armen haben Nichts, das sie einander streitig machen könnten. Die Reichen sehr wohl und aus der Art und Weise, wie viele Reiche ihren Reichtum erworben – und sich damit gar gross tun und dafür auch noch Bewunderung ernten – projizieren sie Gefahren auf die Armut, die nicht ursprünglich in dieser liegen, sondern in der Bewunderung, die die Reichen mit ihrer Wichtigtuerei für den Reichtum, wie von Ihresgleichen erworben und gehortet, züchten und verbreiten.
Die Art, wie sie ihren Reichtum erworben, nennen sie “Tüchtigkeit“. Ihr “Erfolg” beruht darauf, dass Niemand Ihresgleichen es wagen kann, ohne auch sich selbst vielschichtig – und nicht zuletzt sehr leibhaftig existentiell – in Frage zu stellen, an dieser “Tüchtigkeit”, heute auch “Qualifikation” genannt, zu zweifeln.
Wer, weil nicht reich nach dem Gusto der Selbstauserwählten, als nicht “ebenbürtig” Akkreditierter diese “Tüchtigkeit” hinterfragt, wird des puren “Neides der Besitzlosen” bezichtigt und dieser Neid wird von dienstbar gemachten Psychologen gleich auch noch als Zeichen der Inkompetenz zur Kritik an aller “Tüchtigkeit” plausibel gemacht.

Ganz gewiss spielt bei aller Kritik an fragwürdiger “Tüchtigkeit” ein wichtiges, ablehnendes Gefühl gegenüber dem Gegenstand der Hinterfragung eine wichtige Rolle und verleiht den Ergebnissen solcher Hinterfragung deutlich irrationale Akzente. Dieses Gefühl ist aber Ekel, nicht Neid und auch nicht Hass. Das auseinander zu halten, überfordert die “Tüchtigen”, ganz besonders die “Macher”. Alles, was ihrer Bequemlichkeit zuwider, überfordert sie. Anderen zu befehlen bzw. andere mit der Abscheu würdigen Mitteln zu zwingen, zu tun, wozu ihnen selbst nicht zu Mute, ist ihre “Stärke”.

Nicht der Reichtum als ökonomische Wirklichkeit und Möglichkeit, sondern seine verblendende Wirkung auf die letztlich kleinmütig Gebliebenen, nicht mit ihm an charakterlicher Stärke und menschlicher Grösse Gewachsenen und der Effekt, dass er ihnen die Mittel verschafft, ihre Verlorenheit in ihm und in der ihn bedingenden und umhüllenden Wirklichkeit mit Glitter, Glanz und Gloria zu überblenden, ist das Problem.

Das Streben nach unvergleichlicher Macht bzw. nach unvergleichlichem Reichtum, einzigartigem Erfolg, einer “Number One”-Stellung, einem Weltmeistertitel usf. ist nicht immer, aber unter bestimmten gesellschaftlichen und kulturellen Konstellationen, besonders unter Bedingungen unter Druck geratender “Wert”-ordnungen und -systeme – ein letztlich infantil gebliebener Anteil der Antriebsstruktur, der sehr oft in einem Wertesystem nach Anerkennung strebt, das dasjenige in für den Strebenden faszinierender Weise konkurrenziert, worin er die Erfahrung wirklicher oder von ihm als solche gedeuteter Entwertung seiner Person oder Rechte gemacht hat.
Fast regelmässig geht es um eine Erfahrung von zu Zwecken missbrauchter Autorität, die der Werte spotten, worauf eben diese Autorität sich beruft und die in unerträgliche Scheinheiligkeit oder gar skandalöses Unrecht ausarten. Je schmerzlicher die körperliche und/oder mentale Ohnmacht gegenüber so erfahrener Erniedrigung und Entrechtung, desto tiefer sitzt der Stachel, der zur Kompensation und Vergeltung antreibt. Es genügt dabei auch schon, nicht selber betroffen, sondern ungewollt Zeuge solcher Heuchelei oder gar Ungerechtigkeit gegen andere zu sein. Bezeichnenderweise genügt die Vergeltung an den effektiv handelnden, für das eingeprägte Ereignis umnittelbar verantwortlichen Akteuren selbst, falls überhaupt möglich, nicht oder nur vorübergehend.
Bei durch solche Ereignisse erzeugtem Beweggrund von “gesundem Ehrgeiz zu sprechen”, ist ein Hohn. Dennoch wird genau das zu tun von denen befürwortet und getan, die angesichts der “Erfolge” beeindruckt von “Leistung” sprechen und nach Wegen suchen, sich selbst in den Glanz – oder wenigstens den Abglanz – solcher “Tüchtigkeit” zu schleichen.
Der brennende Durst nach Vergeltung und Erniedrigung des “Feindes” ist erst mit der Ausnützung und schliesslichen Entlarvung, Schwächung und Vernichtung des Systems bzw. der Werteordnung, das bzw. die die Autoritäten schafft, stützt und missbrauchbar macht. Viele dieser Rachsüchtigen erwerben sich die Gunst des Systems bzw. der Hüter einer Ordnung, um leichten Zugang zu den verletzlichsten Stellen zu erhalten und die Untugenden der Diener und Vasallen des Systems dazu auszunützen, das System zu schwächen, blosszustellen, zu zerstören und schliesslich zu vernichten. Sie wollen nicht wirklich siegen, sie wollen sich rächen, gleichgültig, was danach geschieht, letztlich gleichgültig, ob sie dabei überleben oder nicht. Geld und Macht erstreben sie nicht als absolute Werte, sondern als reine Werkzeuge, das, was sie ohnmächtig gemacht hat, in Ohnmacht zu stürzen und es zu zwingen, seine Ohnmacht einzugestehen. Nicht ein Wille zur Macht treibt sie, sondern letztlich ein Wille zur Ohnmacht alles “weltlich” Mächtigen überhaupt.
Es werden dieser Art Täter bzw. “Gentleman-Verbrecher” oft grenzenlos Menschen verachtende Beweggründe zugetraut. Ihre Verachtung gegenüber Zeitgenossen ist nicht grösser als – und ähnlich launisch und selektiv wie – die aller Zeitgenossen gegeneinder. Sie gilt nicht dem Menschen, sondern den menschlichen Schwächen, besonders der Heuchelei um alles als “Menschlichkeit” bzw. “Kultur” Vorgestellte, Verheissene, Postulierte. Nicht diese Art der Täter gegen die Menschlichkeit erst ist für den Niedergang von Wertordnungen ursächlich, sondern der von Wissensindustrie, Kulturbetrieb, Sofaphilosophie, Ethikommissionen, Finanztheorie und Qualifikationskult eindrücklich gigantisch überblendete, nicht erst heute, wie gejammert wird, globalisierte Leerlauf bringt sie quasi als neue Gattung, von Generation zu Generation raffinierter als “Kompetente” und “Qualifizierte” konfektioniert, hervor. Ihre Zahl wächst schneller als die der gesamten Weltbevölkerung. Ihr Credo : Willkür, Rücksichtslosigkeit und Chaos – hinter Fassaden von Recht, Staat, Wissen und Kontrolle.
Ihre höchste Genugtuung ist das Platzen des Skandals und die Farce der versuchten Prozesse gegen sie Empörter, selbst wenn diese tödlich für sie enden sollten, denn der gewaltsame Tod war, blieb und ist ohnehin seit Beginn ihrer Wahnsinnskarriere ihr ständiger, in Kauf genommener und vertrauter Begleiter.

Nicht die Armut ist das Problem, sondern die Rechthaberei der Überlegenen gegenüber den Unterlegenen, die Rechtsanmassung und Willkür der Stärkeren gegenüber den Unterlegenen, die Erniedrigung der Wort-, Sprach-, Heimat- und Brotlosen durch die Behäbigen, Besitzenden und Berechtigten.
Das sind nicht in erster Linie Probleme des Geldes oder des mangels daran, sondern solche der selbstgefälligen Rechthaberei, das heisst des Argumentierens und “Überzeugens” mit käuflichen bzw. gekauften Mitteln (”Motivation”), worunter auch alle Arten gröbster bis subtilster Gewalt, statt des sich durch einander Zuhören und Erklären bewerkstelligten Verständigens auf gleicher Ebene.
Nicht der Mangel an Geld ist die Ursache der Armut, sonder der Mangel an simpelstem, spontanem Anstand des Starken gegenüber dem Schwachen und auch die Deutung, dass wer einen andern ungestraft tritt – oder treten könnte, wenn er wollte, der Starke, der Getretene der Schwache sei. Diese Deutung ist so irrig wie sie oberflächlich und kurzsichtig ist. Stärke erweist sich darin, einem Schwächeren ohne Aufhebens beistehen zu können, wo er des Beistands bedarf. Sie ist etwas von der ressourcenabhängigen Überlegenheit, die zufällig und vorübergehend sein kann, grundlegend Verschiedenes. Auch das eine Unterscheidung, von der Viele im rein “Quantitativen” best Qualifizierte sichtlich überfordert sind.

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2 Antworten zu “Ist wirklich “Armut” das Problem?”

  1. Ein Leser! sagt:

    Die Armut hat nur eine Ursache – die Aneigung der Produktion durch die Reichen. Und mit “Reichen” meine ich nicht nur die Manager, die sich ihre Dienste für die Geldgeber reichlich allementieren lassen, sondern vor allem diejenigen, die der Gesellschaft denjenigen Teil der von der arbeitenden Bevölkerung selbst geschaffen Produktion entziehen, mit der sie im weiteren ihren Unterdrückungsapparat (den Staat) auf den Beinen halten, um ihre Herrschaft über die große Mehrheit der Menschen aufrecht zu erhalten.

  2. enochlown sagt:

    Die “Aneignung der Produktion” ist letztlich nur durch Rechthaberei möglich, die eben diese Aneignung, das Mass und die eigentliche Rücksichtslosigkeit, mit der sie fast regelmässig geschieht, formell und teilweise mit moralischen Redensarten “rechtfertigt” (etwa nach dem Motto :”Wozu denn haben wir für unser Geld gearbeitet, wenn wir nachher damit nicht machen dürfen, was uns beliebt? – was sich als Umkehrschluss aus dem Moralspruch :”Erst die Arbeit, dann das Vergnügen” erweist.)
    Zu den rechthaberischen Fiktionen gehören nebst den arbeitsmoralischen Sprüchen die theoretischen wie die “Gerechtigkeit des Leistungslohnes”, die selbstregulierende Dynamik des Marktes, die Unerlässlichkeit und die Grenzenlosigkeit des Wachstums, die Gewinnerzeugung und -maximierung als Antribeskraft der Wirtschaft, die Entwertung ‘nicht qualifizierter’ Arbeitskraft u.s.f.

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